Netzwerktreffen Engagierte Stadt: "Engagement ohne Barrieren"
Am 10. Oktober 2024 fand das jährliche Netzwerktreffen des Freiwilligenzentrums Ingolstadt statt.
Ziel war diesmal ein Austausch zwischen sozialen Einrichtungen und Menschen mit Behinderung, um neue Perspektiven auf Chancen und Herausforderungen im Engagement von Menschen mit Behinderungen aufzuzeigen. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden, bei den Gebärdensprachdolmetscherinnen sowie bei den Referentinnen Tamara Glasl (Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt) und ihrer Co-Referentin Michaela Anthofer von der Lebenshilfe: In ihrer Präsentation zeigten sie verschiedene Arten von Barrieren auf, die Menschen mit Einschränkungen davon abhalten können, überhaupt in ein Ehrenamt zu finden.
Die meisten Menschen denken bei Barrierefreiheit nur an bauliche Barrieren (z.B. Treppen, WCs), aber auch kommunikative (z.B. Fachsprache, Gestaltung von Flyern), intellektuelle (z.B. Dokumente und Formulare schwer verständlich), ökonomische (z.B. Mitgliedsbeitrag, Fahrtkosten) und soziale Barrieren (z.B. Vorurteile, erschwerte Mobilität) schließen Menschen aus und sollten so weit wie möglich mitgedacht werden. Es gibt viele kleine Schritte, die man privat, am Arbeitsplatz, aber auch im eigenen Verein gehen kann auf dem Weg zu einer inklusiveren Gesellschaft. "Sich zu engagieren bedeutet Einfluss auf den Sozialraum zu nehmen. Sich zu engagieren bedeutet Mitbestimmung und Mitgestaltung. Ein Ehrenamt kann dazu beitragen Barrieren bekannt zu machen und abzubauen", so Tamara Glasl.
In den Diskussionen in Kleingruppen wurden weitere Aspekte und mögliche Lösungen angesprochen, die wir hier gerne festhalten wollen:
1) Unterwegs zum Ehrenamt
Öffentlicher Nahverkehr muss günstiger werden, viele Menschen mit Behinderung sind darauf angewiesen, um zum Ehrenamt zu kommen. Leider kann nicht jeder Verein die Fahrtkosten übernehmen.
Mehr Rampen im öffentlichen Raum statt Fahrstühle, die häufig defekt sind. Das sollte beispielsweise bei der Neugestaltung des Hauptbahnhof Ingolstadt beachtet werden.
Behindertentoiletten sind häufig abgeschlossen. Busfahrerinnen und Busfahrer sollten besser geschult werden, zum Beispiel für die Bedürfnisse blinder und gehörloser Menschen:
Information über kurzfristige Änderungen über Mikrofon und zusätzlich schriftlich über die Digitalanzeige.
2) Im Ehrenamt: Räume barrierefrei gestalten
In vielen Vereinshäusern gibt es (sehr steile) Treppen oder zu kleine Toiletten
Hinweis aus der Gruppe: Kosten zur Herstellung von baulicher, sprachlicher und medialer Barrierefreiheit (also beispielsweise auch für Dolmetscher/-innen) übernimmt „Aktion Mensch“: Link. Auch Kosten für Begegnungsmöglichkeiten werden übernommen, beispielsweise im Sport/Freizeit: Link.
3) Kommunikation
Einfache oder leichte Sprache verwenden. Beispielsweise sind englische Begriffe auf Webseiten oder in Flyer-Texten schwierig. Gute und ausreichende Beschilderung ist wichtig. Möglichst viele Menschen sollten die Grundlagen der Gebärdensprache beherrschen.
4) Finanzen
Die Einführung des bargeldlosen Bezahlens an einigen Orten, zum Beispiel bei Sportveranstaltungen in Ingolstadt, ist schwierig. Die meisten Menschen mit Behinderungen haben keine eigene Geldkarte.
Hinweis aus der Gruppe: Die sogenannte „KidsCard“ kann leicht von Angehörigen aufgeladen werden und könnte hier eine Lösung sein.
Hinweis vom Freiwilligenzentrum: Vergünstigungen für Ehrenamtliche gibt es über die Ehrenamtskarte. Viele Menschen mit Behinderung, die sich engagieren, kennen die Ehrenamtskarte noch nicht (es braucht Info in leichter Sprache). Weitere Informationen und Unterstützung bei der Antragstellung gibt’s im Freiwilligenzentrum. Link.
5) Begleitung
Personalmangel im sozialen Bereich: Eigentlich wären an diesem Abend noch weitere Mitreferent/-innen aus der Lebenshilfe dabei gewesen. Sie hätten zum Beispiel von ihrem Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr berichtet, wo sie sehr gut integriert sind. Dass sie nicht kommen konnten, hing auch mit Personalmangel in ihrer Einrichtung zusammen, denn manche von ihnen brauchen eine Begleitung. Hinweis aus der Gruppe: Es gibt die Möglichkeit, eine Freizeit-Assistenz auch für die Begleitung in ein Ehrenamt zu nutzen - oder Ehrenamtliche dafür zu gewinnen (im Tandem ins Ehrenamt).
Nächste Schritte…
…sind nicht so groß, wie manche meinen. Es muss nicht gleich ein Neubau sein – stattdessen kann man zum Beispiel bei der barrierefreien Kommunikation anfangen.
Bauliche Barrieren sollten Einrichtungen nicht davon abhalten, offen für inklusives Ehrenamt zu sein. Es finden sich individuelle Lösungen.
Das Team des Freiwilligenzentrums nimmt mit, dass sowohl seitens der Einrichtungen und Vereine als auch seitens der Menschen mit Behinderung ein großes Interesse daran besteht, gemeinsam Lösungen für mehr inklusives Engagement zu finden. Wir bleiben auch 2025 am Thema dran. Kommen Sie mit konkreten Anliegen jederzeit auf uns zu: freiwilligenzentrum@ingolstadt.de; 0841 305 28 06 oder 0841 95 16 755.